Sommersemester 2020

 

 

Von der Sittsamkeit zur Frivolität – wo bleibt da die Moral ?

Gerade mal zwanzig Jahre brauchte es, bis die bürgerliche Tugendmoral vom Wilhelminischen Zeitgeist geschluckt wurde.

Vom Anfang dieses Prozesses zeugt Theodor Fontane : Seine „Stine“ (1890) wähnt sich noch aufgehoben in dem gesellschaftlichen Gefüge, das ihr den vorbestimmten Ort der Bescheidenheit und Demut zuweist. Das Glück, das ihr beschieden ist, liegt im Verzicht.

 

Solche Vorstellungen sind nur zehn Jahre später in Heinrich Manns „Schlaraffenland“ (1900) wie weggeblasen. Konkurrenz betreibt den Motor des gesellschaftlichen Aufstiegs-Willens, ihm fallen alle Bedenklichkeiten zum Opfer. Das Höher, Besser, Schneller des gesellschaftlichen Fortschritts hat längst auch das kulturelle Leben erobert: So gilt es, in Windeseile die Skrupel um die guten alten Werte in die zeitgenössische Währung umzumünzen.

 

Eine hochinteressante Mittelposition nimmt Fontanes früher Roman „L’Adultera“ (1882) ein: Hier darf eine Frau als Siegerin aus der Geschichte hervorgehen, in zweierlei Hinsicht: was ihr Selbstwertgefühl anbetrifft als auch ihre moralische Überlegenheit.

 

Die Lektüren in der Reihenfolge unserer Betrachtung:

-      Theodor Fontane „Stine“, Roman 1890 (div. Tb-Ausgaben)

-      Theodor Fontane „L’Adultera“, Roman 1882 (div. Tb-Ausgaben)

-      Heinrich Mann „Im Schlaraffenland“ Roman 1900, (Fischer-Tb.)

 

Im Anschluß an das Seminar wird eine Exkursion ins Fontane-Land angeboten. 


Termine: Donnerstags, 14.15 h – 15.45 h

          7.5.,  14.5.,  28.5.,  4.6.,  11.6.,  18.6.,  25.6.,  2.7.,  9.7.,  2020

 Ort:     Gebäude 1208 (Kesselhaus). Schloßwender Straße 5 30159 Hannover.